Partizipation in Umwelt- und Nachhaltigkeitsfragen

1. Von den Theorien über Demokratie...

Das Wort Demokratie ist zusammengesetzt aus Menchschen ("demos") und Macht ("kratos") und bedeutet zusammengesetzt "Macht der Menschen" (wörtlich kann es auch zu "Herrschaft des Volkes" übersetzt werden) und geht auf das antike Griechenland zurück. Heutzutage repräsentiert Demokratie die überragende Form eines akzeptierten Regierungssystems und stellt einen universellen Wert dar (Sen, 1999). Demokratie weißt eine Pluralität von Werten auf, hierzu gehören:

  1. Immanente Bedeutung von politischer Partizipation und der Freiheit des Menschen.
  2. Institutionelle Wichtigkeit und Sicherstellung von Repräsentativität und Verantworktlichkeit der Regierung.
  3. Konstruktive Rolle im Wertebildungsprozess und Verstehnen von Bedüfnissen, Rechten und Pflichten der Bürger.

Demokratische Regierungsformen können unterschiedliche Formen annehmen. Direkte Demokratie steht für eine Form in der Bürger Entscheidungen unmittelbar zu verschiedenen Fragestellungen treffen. In der repräsentativen Demokratie werden Repräsentanten gewählt, welche im Namen der Menschen handeln. Schließlich wird unter dem Begriff der partizipativen Demokratie das kollektive Treffen von Entscheidungen verstanden, in der Bürgen die Macht haben über Policyangebote zu entscheiden, während Politiker die Rolle der Policyimplementierung übernehmen. Im Weiteren wollen wir uns mit der Rolle der Partizipation auseinandersetzten.

2. Von den Theorien über Partizipation...

Partizipative Haushaltsplanung in Porto Alegre (Brasilien)

Zu den Vorteilen der Parizipativen Demokratie gehört, dass Individuen über deren Interessen und Präferenzen reflektieren und in ihrer Haltung ansprechbar werden und dadurch Veränderungen von Haltungen bewirkt werden können und schließlich eine brauchbare Arbeitsgrundlage durch eine Entscheidungsregel (z.B. Konsens- oder Mehrheitsprinzip) erreicht wird. Zu den Nachteilen zählt, dass strategisches Verhalten Entscheidungsprozesse erschweren kann und der Prozess häufig chaotisch und willkürlich verläuft und Transaktionskosten entstehen. Die Gründe und Vorteile für öffentliche Parizipation können auch wie folgt zusammengefasst werden (aus dem CEECEC Glossar):

  1. Normative Gründe: Die Gessellschaft und der individuelle Bürger werden durch soziales und individuelles Lernen ermutigt und bereichert.
  2. Substantielle Gründe: Das Zusammenkommen von unterschiedlichen Sichtweisen auf ein Thema ist förderlich für das Verstehen und liefert anschließend eine größere Anzahl von möglichen und angemessenen Lösungen.
  3. Instrumentelle Gründe: Der Erfolg von Policyimplementierung wird von den aus dem Entscheidungsprozess entstandenen kollaborativen Beziehungen gestärkt.

2.1 Sechs Sichtweisen für Parizipation

Renn und Schweizer (2009) arbeiteten sechs unterschiedliche Konzepte für unterstützende Sichtweisen auf partizipative Prozesse heraus:

  1. Funktionalistisch: Partizipation bezweckt die Verbesserung der Qualität von Entscheidungen. Diese Sichtweise folgt rational dem Argument alle möglichen Wissensträger zusammenzuführen und somit jedes experimentelle und lokale Wissen systematisch zu integrieren.
  2. Neo-liberal: Pariziptaion repräsentiert alle Werte und Präferenzen in dem proportionallen Anteil in welchem sie in der betroffenen Bevölkerung auftreten. Somit fokusiert diese Sichtweise primär die Sammlung und Repräsentation der gut informierten öffentlichen Präferenzen.
  3. Beratend: Parizipation liefert einen Wettbewerb der Argumente von den aktiv Beteiligten. In dieser Sichtweise wird bei Achtung von Wahrheits- und Validitätskriterien Konsens durch den argumentativen Prozess erreicht.
  4. Anthropologisch: Parizipation basiert auf dem Glauben, dass der gesunde Menschenverstand der beste Richter ist eine Versöhnung von konkurrierenden Werten und konkourrierendem Wissen herbeizuführen. In dieser Sichtweise wird gefordert, dass bisher nicht interessierte Laien nach verschidenen sozialen Kategorien (Geschlecht, Einkommen, Wohnort) mit einbezogen werden.
  5. Emanzipatorisch: Parizipation kann weniger privelegierte Gruppen und Individuen unterstüzten. In dieser Sichtweise kann Partizipation einerseits die Ressourcen von jenen, welche zu größerem Anteil negativ beeinträchtigt sind vergrößern und andererseits traditionelle Machtstrukturen der Gesellschaft herausfordern.
  6. Post-modern: Partizipation bezweckt das Demonstrieren von Wandelbarkeit, Pluralität und die Legimität von Wiedersprüchen. Dieses Konzept hat die Neigung unterschiedliche Sichtweisen zu akzeptieren. Es ist daher auch nicht ein finales Produkt in Form einer gemeinsamen Stellungnahme notwendig um einen Abschluss zu erreichen.

2.2 Wer Partizipiert?

Unterschiedliche Akteure sind in Entscheidungsprozessen involviert. Die generelle Öffentlichkeit umfasst alle Indiviuden, welche nicht direkt betroffen sein müssen, obwohl sie Teil einer öffentlichen Meinung sein können. In der beobachtenden Öffentlichkeit sind Medien, kulturelle Eliten und Meinungsführer eingeschlossen, welche eventuell das politische Geschehen kommentieren. Direkt betroffen von positiven oder negativen Effekten von Politikresultaten sind verschiedene Individuen und unorganisierten Gruppen (=direkt betroffene Öffentlichkeit). Unter dem englischen Begriff Stakeholder (=Interessensverteter) werden alle organisierten Gruppen bezreichnet, welche betroffen sind oder einfach ein starkes Interesse an den Ergebnissen der Politik haben.

2.3 Parizipationsbegriffe und ihre Bedeutung

Verschiede Begriffe zum Thema Parizipation sind im Folgenden mit zunehmender partizipativer Wirkung dargestellt.

2.4 Leiter der Partizipation

Arnstein hat bereits im Jahr 1969 das Modell der "Leiter der Partizipation" (Engl: "Ladder of Participation") entworfen. Die folgende Graphik zeigt dieses Modell. Nicht alles was sich Partizipation nennt ist auch wirkliche Partizipation.

Leiter der Parizipation, hier dargestellt als Stufenmodell. (Quelle: qualitative-research.net)

Kritische Charikatur zur Entstehungszeit der Leiter der Partizipation aus den 1960ern.

 

2.5 Zusammenfassende Definition von Parizipation

Parizipation ist ein organisierter Prozess in welchem gewählte Offizielle, Regierungsvertretungen oder andere öffentliche oder private Gruppen oder Organisationen zusammenarbeiten. Ziel ist die Bewertung, Planung, Entscheidungsfindung, Management, Kontrolle und Evaluation von öffentlichen Belangen (NRC, 2008). In paritipativen Methoden werden Werte von den Teilnehmern artikuliert. Management und Qualitätssicherung von Informationen sind kritische Merkmale in partizipativen Prozessen, weshalb soziale Robustheit und die Tranparenz von Wissen wichtige Paradigmen sind. Des Weiteren sind im parizipativen Prozess Informationsflüsse immer in beide Richtungen wichtig in der Policykette beginnend von der kollaborativen Beteiligung über die Konzepionallisierung hin zur Implementierung von betrachteten Angelegenheiten (Beirle und Cayfors;2002).

Die folgenden Bilder zeigen abschließend zwei Veranschaulichung von unterschiedlichen Auffasssungen was Partizipation ist.

Parizipation als Konzert: Jeder trägt seinen entsprechenden Teil zum Ganzen bei.

Partizipation am runden Tisch: Symbol des Austausches "auf Augenhöhe".