Entwicklung von Szenarien und Visionen

1. Einblick in die Futurologie (Engl.: Future Studies)

Vorrausblickende Studien umfassen eine große Bandbreite von Konzepten und Methoden, welche das Ziel verfolgen mögliche, wahrscheinliche und wünschenswerte Zukünfte zu erforschen, mit der der Absicht die gegenwärtige Entscheidungsfindung zu verbessern. In privaten Organisationen und öffentlichen Zuständigkeitsbereich werden Zukunftsstudien als Teil der strategischen Planung betrieben. Als Beispiele für Methoden aus der Futurologie zählen:

2. Szenarien

Szenarien sind Abfolgen von möglichen alternativen Bildern, wie sich die Zukunft entfalten könnte. Sie entspringen mentalen oder formalen Modellen und reflektieren die Integration von vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Entwicklungen (Rotmans et al., 2000). Szenarien sind demzufolge hypothetische Abfolgen von sich abzeichnenden Entwicklungen und Events. Sie stellen plausible, jedoch nicht immer die wahrscheinlichsten zukünftigen Verläufe von menschlichen und ökologischen Systemen dar. Alcamo (2001) beschreibt Szenarien als zukünftige Entwicklung von bislang geplanten Aktionen. Fokus sind hierbei kausale Prozesse und Entscheidungspunkte. Szenarien helfen bei der Pkanung, Bewertung und Implementierung von Entscheidungsmodellen von Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen (EEA, 2009)

2.1 Zwecke von Szenarien

Sechs verschiedene Zwecke von Szenarien lassen sich unterscheiden, diese sind:

  1. Policy Analyse: Das System kann auf die Auswirkungen von möglichen Interventionen durch verschiedene Policy-Optionen untersucht werden.
  2. Achtsamkeitssteigerung: Die Aufmerksamkeit auf mögliche zukünftige Probleme wird gesteigert.
  3. Perspektivenausweitung: Vergrößert die zeitlichen und räumlichen Denkmuster.
  4. Informationszusammenfassung: Gegenwärtiges Verhalten wird auf konkrete zukünftige Veräufe weniger Größen verdichtet.
  5. Bewusstseinsvergrößerung für Unsicherheit und Komplexität: Entscheidungsträger können mit dem Mangel an Wissen über zukünftige Systemzustände konfrontiert werden, mit dem Ziel mehr Transparenz und Vorsichtsmaßnahmen zu schaffen.
  6. Förderung von Partizipation: Mit der Hilfe von Szenarien kann eine einheitliche Sprache entwickelt werden, welche für wechselseitige Lernprozesse und für integrative Zusammenarbeit hilfreich ist.

2.2 Elemente von Szenarien

Zu einem Szenario gehören verschiedene Elemente. Diese sind im Folgenden aufgeführt:

2.3 Typen von Szenarien

Verschiedene Typen von Szenarien sind abgrenzbar. In Beschreibungen und Schaubildern werden diese unterschiedlichen Typen veranschaulicht.

1. Qualitative und quantiative Szenarien

  Qualitative Szenarien Quantiative Szenarien
Beschreibung Basieren auf Schilderungen von möglichen Zukünften in Form von Wörten, Symbolen oder numerischen Schätzungen. Gewöhlich basieren sie auf einem Text, können jedoch auch in Form von Diagrammen oder Bildern veranschaulicht werden. Basieren auf mathematischen Modellen, welche Szenario-bezogene numerische Daten generieren. Die Daten werden in Form von Tabellen oder Graphen veranschaulicht. In Umweltszenarien werden häufig Indikatoren als dargestellte Variablen benutzt.
Vorrteile

1. Leicht verständlich.
2. Können das Wissen von Experten und Stakeholdern artikulieren.
3. Können in attraktiver Form mögliche Zukünfte kommunizieren.

1. Hilfreich um die Richtigkeit von quantitativen Szenarien zu untermauern.
2. Annahmen sind transparenter, da sie eine mathematische Form haben (Gleichungen, Parameter,...).
3. Häufig mit peer-review Techniken untersucht.

Nachteile

1. Liefern keine Daten, welche bei der Formulierung von Policies wünschenswert sind.
2. Alle Annahmen welche den Szenarien zu Grunde liegen sind für gewönlich nicht vollständig dokumentiert.

1. Der exakte Anschein von Zahlen führt häufig dazu, dass Szenarien als Prognosen missverstanden werden.
2. Sie bauen auf den Annahmen der benutzten Computermodelle auf und können dadurch eine Voruteils-behaftete Version der Zukunft repräsentiern.
3. Schwierigkeiten die Ergebnisse richtig zu verstehen, ohne am Modellierungsprozess beteiligt gewesen zu sein.

Veranschaulichung für qualitative Szenarien mit entsprechenden Schilderungen (Quelle: ecologyandsociety.org)

S

Beispiel für quantitative Szenarien, IPCC Szenarien für die prognostizierte Klimaerwärmung (Quelle: bildungsserver.de)

2. Die "Forecasting" und "Backcasting" Methode

Beim Forcasting (auch deskriptives Verfahren genannt) untersucht mögliche Entwicklungen ausgehend von der gegenwärtigen Situation mit oder ohne etwaigen Policy-Einsatz. Diese Methode tendiert werturteilsfreier zu sein.
Beim Backcasting (auch antizipatorisches Verfahren genannt) geht von einer gewünschten zukünftigen Vision aus und bietet eine Anzahl von verschiedenen Strategien diesen visonären Zustand zu erreichen. Es können Meilensteine und Risiken auf dem Weg zur Zielerreichung festgelegt werden. Diese Methode kann mit Werturteilen verbunden sein.

3. Baseline/BAU Szenarien und Policy Szenarien

Standard bzw. Baseline (auch BAU = Business as Ususal) Szenarien repräsentieren die Evolution des Problems ohne Implementierung von Gegenmaßnahmen. Häufig als Benchmark benutzt. Policy Szenarien zeigen die Evolution der zukünftigen Zustände mit der entsprechenden Implementierung von Gegenmaßnahmen bzw. einer oder mehreren zu realisierenden Policies. Jedes Szenario kann untersucht werden, ob die gewünschten Ziele erreicht werden.

2.4 Der Szenariobildungsprozess

  1. Ausarbeiten der Szearioelemente.
  2. BAU-Szenario.
  3. Mögliche Vision festlegen.
  4. Forecasting bzw. Backcasting mit Strategien.
  5. Aktionsplan erstellen.

3. Visionen

Eine Vision ist für eine Organisation, eine Gruppe oder eine Gemeinschaft die Verbildlichung was sie gerne wäre und welche (in ihrer Macht stehenden) Ziele sie in der Lage sind zu erreichen. (O'Brien und Meadows, 2001). Der Visionsbildungsprozess ist dazu bedacht mögliche wünschenswerte zukünftige Zustände den Teilnehmern zu entlocken und damit schließlich eine Grundlage für Strategiebildung und Entscheidungsfindung zu liefern.

3.1 Visionenbildungsprozess

1. Analyse der Gegenwärtigen Situation und Bewertung von externen Einflüssen: Die Vision sollte sich jedoch nicht von dem zukünftigen Zustand oder wahrscheinlichen Zukünften beeinflusst werden.

2. Entwickeln der Vision: Identifizieren der gewünschten zukünftigen Zustände. Lebhafte Beschreibungen und kühne Ziele machen Visionen aus.

3. Verknüpfen von Zukunft und Gegenwart: Normalerweise wird die Backcasting Methode benutzt. Jedoch können auch vorwärtsgerichtete Methoden zum Einsatz kommen.

4. Testen der Vision: Es wird das Machbarkeitspotentital und die Festigkeit externer Zustände untersucht.

3.2 Pfadverläufe

Pfadverläufe sind Beschreibungen, welche den Ablauf verschiedener Szenarien illustrieren. Pfadverläufe liefern keine Vorhersage, sondern zeigen Möglichkeitsräume für zukünftige Entwicklungen.